Donnerstag, 16. Juni 2011

Von der Zufriedenheit


Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wachsen und Vergehen. So wie die Natur ist auch der Mensch als Naturwesen in diesem Rhythmus verhaftet. Hat man die Ernte des Lebens eingebracht, kann man sich zur Ruhe begeben. Ein gelungenes Leben erkennt man daran, dass man diese Ruhe findet. Dass man zufrieden auf das zurückschauen kann, was man erreicht hat und nicht das Gefühl hat, etwas versäumt zu haben. Ein gelungenes Leben ist eines, das die Welt im Rahmen seiner Möglichkeiten wieder ein Stück weiter gebracht hat, Platz gemacht hat für neues Leben. Ein gelungenes Leben kann man ohne Brüche in der gewohnten Umgebung und im Kreise derer, die einem wertvoll sind, beenden.


Ein gelungenes Alter ist, wenn man bis zum Lebensende am gesellschaftlichen und familiären Leben teilnehmen kann, nicht an den Rand gedrängt, unsichtbar gemacht wird. Gelungenes Alter braucht keine Politiker, welche einem gönnerhaft den Arm um die Schulter legen, um sich ein populäres Image zu geben. Die Würde des Lebens besteht darin, seine Autonomie bewahren zu können, auch wenn man die eine oder andere Unterstützung zur Bewältigung des Alltags braucht. Würde ist, nicht als BittstellerIn auftreten zu müssen, sondern über ein ausreichendes Einkommen zu verfügen, so wie man als älterer Mensch selbstverständlich solidarisch die Jungen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützt.


Ein malerisches Bild hat sich mir nachdrücklich eingeprägt. Ein alter Mann, der auf Schaffellen sitzend den ganzen Tag in einer schattigen Ecke an der Straße einer marokkanischen Kleinstadt sitzt. Und ständig kommen Leute vorbei, grüßen ihn, wechseln ein paar Worte. Der Alte, sicher nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen, ist einfach nur da. Ruht in sich und wirkt zufrieden.